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Europäische Hauptstadtkonferenz der Gewerkschaftsbünde Berlin 2001
»Europas Jugend braucht Bildung und Arbeit«
 
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08.09.2001

„Sozialen Sprengstoff der Jugendarbeitslosigkeit entschärfen“
Resolution der Delegierten der Gewerkschaftsbünde europäischer Hauptstädte in Berlin

/cc/img/pool/ectuc_logo_blau.gif Die Europäische Hauptstadtkonferenz der Gewerkschaftsbünde vom 06. – 08.09.01 in Berlin fordert die regionalen und nationalen Regierungen der europäischen Staaten und die Europäische Kommission auf, das Thema „Jugendarbeitslosigkeit“ stärker in den Mittelpunkt ihrer Politik zu stellen. In allen Ländern steigen die Zahlen ausbildungs- und arbeitsloser Jugendlicher sowie solcher mit prekären Arbeitsverhältnissen ebenso an wie die Schwarzarbeit. Die Arbeitslosenquote bei Jugendlichen liegt bereits jetzt in einigen europäischen Ländern über 20%. Sie bildet sozialen Sprengstoff für die Zukunft Europas, der nicht zuletzt auch die demokratische Entwicklung Europas bedrohen kann.

Das Potenzial der Unzufriedenheit der europäischen Jugend wurde anlässlich der Proteste bei den Gipfeltreffen in Göteborg und Genua deutlich. Gewaltvolle Übergriffe am Rande dürfen nicht den Blick auf das eigentliche Anliegen hunderttausender friedlich demonstrierender junger Menschen verstellen, die nicht nur die Änderung der neoliberalen Politik forderten, die verantwortlich ist für die Zunahme der Ungleichheit, sondern auch den Respekt vor den sozialen und ökologischen Normen, die unabdingbar sind für den Aufbau eines gerechten und solidarischen Europas.

Bei den nächsten Treffen der EU-Gipfel zum Stabilitätsabkommen muss man nicht nur die finanziellen Fragen berücksichtigen, sondern auch Entwicklungspläne für Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen. Außerdem müssen Regelungen zur Verteidigung der Arbeitsrechte und für die Gesundheitssicherheit der Arbeitnehmer/innen am Arbeitsplatz geschaffen werden.

Nach Auffassung der Europäischen Hauptstadtkonferenz der Gewerkschaftsbünde haben alle Jugendlichen ein gleiches Anrecht auf Ausbildung und Arbeit. Deshalb sollen so schnell wie möglich die europäischen Sozial- und Bildungsstandards auf einem hohen Niveau aneinander angepasst werden. Die Gewerkschaften wollen gemeinsam den Kampf gegen die Steuerflucht multinationaler Konzerne, den Sozialabbau und die Privatisierung öffentlicher Dienstleistungen in den Nationalstaaten führen, damit die Jugend Europas eine bessere Zukunft erhalten kann.

Anstrengungen der Unternehmen, an marktwirtschaftlichen Bedingungen ausgerichtet, haben bisher keine nachhaltigen Verbesserungen der Ausbildungssituation junger Menschen gebracht. Deswegen halten wir es für unerlässlich, dass die Unternehmen mehr Verantwortung für die Aus- und Weiterbildung als wesentlichen Bestandteil ihrer eigenen Entwicklung übernehmen müssen. Parallel dazu bedarf es auch weiterhin öffentlicher Investitionen in den Bildungssektor und flankierender nationaler und europäischer Programme für die berufliche Bildung und den Berufseinstieg junger Menschen.

Die Forderung nach Mobilität ist keine Lösung, da junge Menschen bereits heute in hohem Maße bereit sind, ihre Heimat zu verlassen, um Ausbildung und Arbeit zu finden. Die Abwanderung in die Metropolen oder in andere europäische Länder kann aber das Problem der Jugendarbeitslosigkeit nicht beseitigen. Der Zugang zum Arbeits- und Ausbildungsmarkt muss deshalb den Jugendlichen auch in ihren Heimatregionen ermöglicht werden.

Die Beschäftigungsmöglichkeit junger Menschen in ihrer jetzigen Form muss ebenfalls geändert werden, da für eine bessere Zukunft der europäischen Jugend prekäre Arbeitsverhältnisse keine Lösung sind. Daher ist es notwendig, qualifizierte und dauerhafte Arbeitsplätze zu schaffen, mit entsprechender Bezahlung und mit entsprechenden Rechten und gegen jede Diskriminierung bei der Einstellung vorzugehen.

Die Konferenz fordert die Bürgermeister der Hauptstadtregionen auf, die sich im nächsten Herbst zum ersten Mal in Rom treffen werden, sich besonders dafür einzusetzen, dass in Absprache mit den Gewerkschaften Projekte genehmigt werden, die die Lage der Jugendlichen in den Hauptstädten verbessern hilft.

Die Europäische Hautstadtkonferenz von Berlin fordert alle Regierungen der europäischen Staaten, die EU-Kommission und das EU-Parlament auf, gemeinsame Konzepte zum Abbau von Jugendarbeitslosigkeit zu entwickeln und umzusetzen, damit die Europäische Union auch sozial vollendet wird.


 

 
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